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Liebe, Eifersucht, Intrige, Mord

Gespräch mit Johannes Stert über Westfalen Winds und Verdis Otello

Im April konzertierte die westfälische Bläserphilharmonie „Westfalen Winds“ unter dem Gastdirigat von Johannes Stert. Mit Werken von Rossini, Bourgeois und Grainger schufen die Bläserphilharmonie und der renommierte Operndirigent ein eindrucksvolles Konzerterlebnis in der Meinerzhagener Stadthalle. Am 3. November 2019 um 16 Uhr gipfelt die Fortsetzung dieser besonderen Zusammenarbeit in einem Konzert im Kulturhaus Lüdenscheid.

Johannes StertIn der hervorragenden Akustik des großen Theatersaales eröffnet das Orchester mit Dimitri Schostakowitschs Festive Overture op. 96 das Konzert unter der Überschrift „Liebe, Eifersucht, Intrige, Mord“. Auf dieses fulminante Werk, das bereits in den 60er Jahren Eingang ins Repertoire für Bläserensembles fand, folgt mit Désiré Dondeynes Nuances eine anspruchsvolle Originalkomposition, bevor es für das Hauptwerk wieder in das Reich der Opern geht – gewissermaßen. Bereits im Frühjahr wurde mit der Ouvertüre zu Rossinis Wilhelm Tell ein Ausflug in die Welt der italienischen Oper unternommen. Nun steht eine Transkription von Verdis Otello in vier Szenen auf dem Programm – arrangiert vom Dirigenten selbst. Dabei handelt es sich jedoch um viel mehr als eine notengetreue Übertragung.  Johannes Stert und Robin Gerke haben sich über die Arbeit mit dem Ensemble, die Philosophie hinter Bearbeitungen für Blasorchester und erschreckende Vorstellungen unterhalten.

Robin Gerke: Im Frühjahr haben Sie bereits bei den Westfalen Winds gastiert. Darf ich Sie bitten Ihre Eindrücke von der Arbeit mit dem Orchester kurz zu schildern?

Johannes Stert: Ich bin auf ein sehr aufgeschlossenes Orchester gestoßen. Aufgeschlossenheit, auch der Wille wirklich etwas Schönes zustande zu bringen, Leistung zu erbringen, zu üben - ich hatte einen sehr, sehr positiven Eindruck von einem sehr motivierten Orchester.

Das ist schön zu hören! Aus dem Orchester habe ich bis jetzt auch nur positive Stimmen vernommen, der gute Eindruck scheint also auf Gegenseitigkeit zu beruhen.

Wunderbar! Das war eine runde Sache.

Die Westfalen Winds sehen ihren künstlerischen Auftrag vor allem in der Interpretation von Originalkompositionen für Sinfonisches Blasorchester. Beim letzten Projekt haben Sie mit Wer ist Elise eine Originalkomposition beigesteuert. Nun steht Verdis Otello auf dem Programm. Was ist für Sie die Rolle und der Stellenwert solcher Transkriptionen, vielleicht auch gerade für ein Ensemble mit einem Schwerpunkt auf dem Originalrepertoire?

Bei meinen Bearbeitungen geht es um etwas ganz anderes. Es geht ja nicht allein darum, dass jetzt ein Blasorchester ein Stück spielt, das sonst ein Sinfonieorchester spielt. Meine Arrangements entstehen nicht aus dieser Notwendigkeit, dass man so etwas einfach mal spielt, sondern es steckt ein Klangideal dahinter. Das bedeutet, dass das Blasorchester als Ensemble klangtechnisch und klangphilosophisch ernst genommen wird. Ich verändere unter Umständen auch viele Dinge – jetzt nicht unbedingt die Komposition als solche. Ich habe beim Setzen des Arrangements immer das Klangideal des Blasorchesters im Hinterkopf. Es ist also nicht so, dass das Blasorchester mal was reproduziert, das mit dem Sinfonieorchester eh besser klingt. Und deswegen bekommt es eine ganz andere Gewichtung. Weil es dann in meinen Augen kein reines Arrangement mehr ist. Es ist einerseits natürlich die Möglichkeit, dass die Menschen, die im Blasorchester mitwirken, auch an die Literatur der großen Komponisten kommen, was ja sonst schwer möglich ist – in der Vergangenheit zumindest. Andererseits, weil so das Blasorchester in seiner ganzen Vielfalt aufgezeigt wird. Also nicht: Cello ist gleich Tenorsaxophon, Bratsche ist gleich Altsaxophon – bei weitem nicht. Bei diesen Arrangements steckt viel mehr Klangarbeit dahinter. Deswegen kann man nicht einfach „nur Bearbeitung“ sagen.

Beim Durchsehen der Werke, die Sie bisher für Blasorchester arrangiert haben, fallen vor allem zwei der großen Bs ins Auge – Bach und Brahms. Stehen die Werke dieser Komponisten in besonderer Beziehung zu dem von Ihnen beschriebenen Klangideal?

Nicht unbedingt. Man muss bedenken, dass diese in verschiedenen Jahren entstanden sind und dann auch andere Gründe dazu beigetragen haben oder Zufälle, dass ich das gerade in die Hand bekommen habe. Beim Brahms handelt es sich um Klavierstücke, die ich vom Klavier ins Blasorchester orchestriert habe. Und da ist es noch offensichtlicher, dass es die Musik von Brahms ist – natürlich, aber die Fantasie, diese aufzubrechen in eine große Orchestration. Ich habe immer Stücke genommen, von denen ich die Fantasie für das Blasorchester hatte, sodass ich das Klangideal auch umsetzen konnte.

Die gleiche Philosophie steht dann auch hinter Ihrem Otello?

Genau. Ich war selbst jahrzehntelang im Opernfach und habe die Sachen im Original dirigiert, und ich wollte einfach diese Musik der Blasorchesterszene, zumindest in der Höchststufe, nicht vorenthalten. Die Vorstellung, dass es ohne Sänger ist, hat mich erst einmal sehr erschreckt, aber weil die Musik durchkomponiert ist und die Motive immer auch die Handlung aufzeigen, habe ich versucht, das Blasorchester singen zu lassen. Das ist bei Verdi das Tolle. Die Musik ist recht plakativ, es kommen sehr dramatische Szenen, wo das Orchester zupacken muss, und auf der anderen Seite Szenen, in denen groß, romantisch ausgesungen werden muss.
Sie haben die Oper in vier Szenen zusammengefasst.

Wie darf man sich deren Konzeption vorstellen?

Mit diesen vier Szenen habe ich versucht, die Entwicklung der Beziehung zwischen den Hauptfiguren Desdemona und Otello nachzuzeichnen. Ich habe also diese Szenen explizit herausgenommen, das Eifersuchtsdrama und wie das Ganze schließlich in Mord und Tod endet. Otello ist ja eine seiner späten Opern und mindestens zweieinhalb Stunden lang. Viele der Werke für Blasorchester dauern aus verschiedenen Gründen zwischen fünf- und fünfzehn Minuten. Dass hier einmal vierzig Minuten lang etwas dramaturgisch durchgesponnen und auch durchgespielt wird, ist, denke ich, auch für den Musiker sehr interessant. Das war auch ein Aspekt, der mich für das Blasorchester gereizt hat. Ich wäre sehr gerne auch noch auf den Gegenspieler Jago eingegangen, man hätte noch vieles machen können, aber da die Oper nun einmal derart lang ist, wäre der Bogen bald überspannt gewesen. Mit diesen vierzig Minuten ist die Essenz der Oper, wo es um Eifersucht und die Veränderung einer Beziehung geht, erreicht.

Ich danke Ihnen für die sehr interessanten Einsichten in Ihre Arbeit als Arrangeur. Zum Abschluss möchte ich Sie noch fragen, wie Sie dem nächsten Projekt mit den Westfalen Winds entgegensehen. Was wird Ihrer Ansicht nach besonders wichtig sein und worauf freuen Sie sich besonders?

Der Otello wird natürlich schon aufgrund seiner Länge und des Schwierigkeitsgrades das Hauptwerk sein. Ich kann mir von den Musikern gut vorstellen, dass ihnen die Musik sehr gut gefallen wird, wenn sie sie erst einmal erleben und es dann immer besser wird. Ich sehe dem mit aller Neugier entgegen. Ich habe den Otello schon mit zwei Orchestern gemacht, und letzten Endes war es mit einer kurzen Einführung für das Publikum immer ein Riesenerfolg. Bei dieser Musik kann das Publikum, wenn man ihm nur ein paar Brocken hinwirft, inhaltlich sehr gut folgen. Das hat über vierzig Minuten sehr gut funktioniert. Ich glaube, das würde dem Orchester, so wie ich es jetzt erlebt habe, sehr gut tun. Es wird ein Schritt sein zu einem weiteren Erlebnis und vielleicht auch einer weiteren Stufe. Ich bin gespannt, wie die Musiker ‚anbeißen‘ und hoffe, dass wir eine schöne Besetzung hinkriegen. Jetzt kennt man sich schon ein bisschen, und da kann man natürlich gleich auf einer ganz anderen Stufe beginnen. Ich freue mich sehr!

Weitere Informationen auf www.facebook.com/westfalenwinds und www.westfalen-winds.de

Fotos: Johannes Stert (Johannes Stert), Kathrin Klein (Westfalen Winds)

Westfalen Winds Foto Kathrin Klein

 

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